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Gehörlosenseelsorge in der Evangelischen Kirche von Westfalen

28.09.2026

Unter Gottes Segen wohnen und leben

Ein inklusiver Taufgottesdienst

Am Sonntag, dem 27. September 2027, fand in der Evangelisch-reformierten Kirche in Oerlinghausen-Lipperreihe ein inklusiver Taufgottesdienst statt. Aus der dortigen Kirchengemeinde wurde Tio Hermann getauft. Der Vater des Täuflings ist dort Mitglied des Kirchenvorstands, die Großmutter ist gehörlos. Deshalb nahm Pfarrer Uwe Sundermann, Gehörlosenseelsorger der Lippischen Landeskirche, die Taufe vor. Er ist zugleich auch Pfarrer dieser (hörenden) Kirchengemeinde. Deshalb brauchte er für den Taufgottesdienst nicht weit zu fahren.

Pfarrer Sundermann begann den Gottesdienst mit einführenden Worten. Er begrüßte die anwesende Gemeinde. Er übersetzte die Informationen über die Kollekten und über die Veranstaltungen in Gebärdensprache. Das machte die Gemeinde neugierig. Und dann erklärte er, warum der Gottesdienst mit Lautsprache begleitender Gebärde stattfindet. Er lud alle Besucher herzlich ein, bei den drei Gebärdenliedern mutig mitzumachen. Und er übersetzte die drei Lieder aus dem Gesangbuch während des Singens in DGS.

Tio bekam von seiner Familie einen schönen Taufspruch: „Gott spricht: ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du gehörst zu mir. Wenn du durch Wasserfluten gehst, bin ich bei dir. Reißende Ströme spülen dich nicht fort.“ (Jesaja 43, 1-2) Dieser Spruch passt wunderbar zur Taufe. Bei der Taufe wird ja unser Name genannt. Bei der Taufe wird sichtbar: Wir sind mit Gott verbunden. Nach der Taufe zündete eine der beiden Patinnen die Taufkerze für Tio an. Danach überreichte Pastor Sundermann der Familie eine Kinderbibel als Geschenk der Kirchengemeinde.

In der Predigt erzählte er von einem Erlebnis aus seinem Urlaub in Italien: In den kleinen Städten an der Riviera haben viele Häuser in der Fassade ein kleine Nische. Darin steht eine Figur von Jesus oder von Maria, eine Figur von Johannes dem Täufer oder von einem Heiligen – Antonius, Franziskus oder Christopherus. Die Figuren zeigen: Die Menschen, die in dem Haus wohnen und leben, sind mit dem Glauben an Gott und mit der katholischen Kirche verbunden.

Bei einem Haus aber war die Nische leer. Dort stand keine Figur. Pfarrer Sundermann zeigte ein Bild und sprach die Besucher an: „Stellt euch vor, das ist euer eigenes Haus, und ihr wohnt dort! Und die Nische ist leer!“ Und er fragte: „Was stellt ihr in die Nische hinein? Stellt ihr dort etwas hinein, das zu eurem Beruf passt? Der Beruf füllt ja einen großen Teil des Lebens. Oder stellt ihr etwas von eurem Hobby dort hinein – ein Auto, einen Liegestuhl oder Wanderschuhe? Oder stellt ihr dort ein Herz für die menschliche Gemeinschaft, eine Friedenstaube oder die Regenbogenfahne hinein? Oder ist es etwas vom Glauben an Gott – Jesus, die Bibel, die betenden Hände oder das Zeichen mit dem Gebärdenkreuz?“

Alle, die in dem Haus wohnen und die dort arbeiten, sollen unter Gottes Segen sein. Und die Besucher und Gäste sollen mit guten Gedanken in das Haus hineingehen und mit guten Gedanken hinausgehen: „Der HERR behüte dich vor allem Übel! Er behüte deine Seele! Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!“ (Psalm 121, 7-8)

Artikel für den Gemeindebrief „Gebärdenkreuz“ der Gehörlosengemeinden in der Evangelischen Kirche von Westfalen, Ausgabe November 2026 – Februar 2027

Uwe Sundermann