gebaerdenkreuz.de

Gehörlosenseelsorge in der Evangelischen Kirche von Westfalen

05.10.2026

IEWG-Tagung 28.9-2.10.2026

Zusammenarbeit von Gehörlosen und Hörenden in der Kirche

IEWG ist eine englische Abkürzung. Sie steht für international ecumenical working group. Das heißt auf deutsch: Internationale ökumenische Arbeitsgruppe. Es treffen sich Menschen, die hauptamtlich in der Kirche arbeiten, Hörende und Gehörlose aus verschiedenen Ländern. In diesem Jahr waren dabei Leute aus: Dänemark, Deutschland, England, Estland, Finnland, Kenia, Madagaskar, Norwegen, Rumänien, Schweden und USA.

Gewohnt haben wir in diesen 5 Tagen in einer Art Jugendherberge in Oslo).
Für die Hörenden war die Tagungssprache Englisch, aber es haben auch alle gebärdet, in ihrer jeweiligen Gebärdensprache oder – wer konnte – in internationaler Gebärdensprache. Es war toll, wir haben uns alle irgendwie verstanden.
Für die Vorträge standen viele Dolmetscher zur Verfügung: in dänischer, englischer, finnischer, norwegischer, schwedischer und internationaler Gebärdensprache.
In ihren Vorträgen haben die gehörlose englische Pastorin Dr. Hannah Lewis und die hörende norwegische Bischöfin Sunniva Gylver uns ermutigt: Gehörlose und Hörende können auf Augenhöhe zusammenarbeiten, selbstverständlich muss das in Gebärdensprache geschehen. Dazu brauchen beide – Gehörlose und Hörende – Geduld miteinander und gute Ausbildung. Die Theologie der Befreiung kann uns Anregung geben. Die Theologie der Befreiung stammt aus den 60ger – 70ger Jahren aus Südamerika. Dort haben die Bauern die Bibel gelesen und entdeckt: Gott hat die Israeliten aus der Sklaverei in Ägypten befreit. Daraus haben sie gelernt: Gott möchte keine Unterdrückung oder Ausgrenzung. Das gilt auch für Gehörlose und Hörende in der Kirche.

Es gab jeden Tag 2 Andachten, am Morgen und am Abend. Jeden Tag haben das Leute aus einem anderen Land gemacht. Das war schön, denn die Andachten waren sehr verschieden. Am Mittwochmorgen waren wir aus Deutschland an der Reihe. (von li nach re) Randolf und Clarissa von Hündeberg (ein gehörloses Ehepaar aus der Bayrischen Kirche), der in München lebende gehörlose Finne Juho Saarinen, die hörende Diakonin Susanne Jordan aus der Nordkirche und ich als hörende Pfarrerin aus Westfalen.
Es gab auch verschiedene Workshops, in denen wir kreativ tätig werden konnten: z.B. haben wir zum Thema „Religion“ etwas gebastelt oder zu einer Bibelgeschichte eine Gebärdenpoesie versucht.
Am Donnerstag gab es ein Freizeitprogramm zur Auswahl: einige haben sich die Skulpturen in dem berühmten Viggelandpark angeschaut. Einige haben eine Pilgerwanderung gemacht. Aufenthalt in der Natur ist ein wichtiger Teil der norwegischen Kultur. Und eine Gruppe hat die Sprungschanze „Holmenkollen“ besucht.
Am Freitag ging es wieder nach Hause mit vielen neuen Eindrücken im Gepäck.

Heike Kerwin