Gehörlosenverein „Soester Börde“ feierte 100-jähriges Jubiläum
Mit einem gut besuchten Gottesdienst begann das 100-jährige Jubiläum des Gehörlosenvereins „Soester Börde“ in der Hohnekirche in Soest.
Gehörlosenverein „Soester Börde“ feierte 100-jähriges Jubiläum
Nicht nur aus Soest, auch aus vielen anderen Städten kamen die Besucher zu diesem besonderen Fest. Pfarrerin Christine Brokmeier hielt den Gottesdienst in Gebärdensprache. Der Predigt legte sie Worte des Apostels Paulus zum Thema Gemeinschaft und Einheit zugrunde: „Bemüht euch darum, die Einheit zu bewahren, die Gottes Geist euch geschenkt hat. Ihr seid ein Leib. Ihr seid alle wie ein Mensch geworden.“ Ein Leib besteht aus unterschiedlichen Körperteilen – Hand, Fuß, Arm, Bein. Jedes Körperteil hat eine eigene Aufgabe, aber alle sind wichtig. Fehlt eins, dann funktioniert der Körper nicht. So ist es auch in der Gemeinde. Und so ist es nicht zuletzt auch in einem Verein. Alle Mitglieder sind wichtig und wertvoll. Jede Gabe, jede Aufgabe ist wichtig und wertvoll. Niemand darf fehlen. Wenn die Zeiten schwer sind, muss niemand allein sein. Beispielsweise war die Zeit im Nationalsozialismus schwer. Für viele Menschen. Auch für gehörlose Menschen. Zur „Verhütung erbkranken Nachwuchses“ wurden viele gehörlose Menschen zwangssterilisiert. Die Vereine damals haben ihre Mitglieder gestärkt und ihnen geholfen. Heute lösen sich Gehörlosenvereine mehr und mehr auf. Vielen jungen Menschen genügt der Kontakt durch Soziale Medien. Aber Soziale Medien ersetzen persönliche Treffen nicht. Computer und Smartphones können nicht umarmen, nicht trösten. Alle Mitglieder sind wie ein Mensch. Das zu betonen ist für die Gemeinschaft eines Vereins wichtig. Das zu betonen ist wichtig auch angesichts der heutigen Bedrohungen. Wieder werden Menschen in wertvolle und weniger wertvolle eingeteilt. Begabungen sind mehr oder weniger wert. Die Menschenwürde ist in Gefahr. Die Vereine müssen wachsam sein. Christen müssen wachsam sein. Sie müssen betonen, dass alle Menschen, alle Begabungen, alle Aufgaben gleich wertvoll sind. Damit sich die dunkle Vergangenheit nicht wiederholt.
Nach dem Gottesdienst kamen alle im Gemeindehaus nebenan zu Kaffee und Kuchen zusammen. Viel gab es zu erzählen und auszutauschen. Langjährige Mitglieder wurden von der Vorsitzenden Ingrid Hoffmann geehrt. Und auch die Präsentation alter Fotos aus der Vereinsgeschichte durfte nicht fehlen. Am frühen Abend fuhren alle erfreut über den schönen Nachmittag nach Hause.
Auf dem Gruppenfoto von li nach re: Conny Zell, Gosia Pabst, Andreas Pabst, Ingrid Hoffmann, Dieter Grzmehle, Ursula Wolf, Elisabeth Eggelnpöhler, Melanie Kaiser, Christine Brokmeier.